Marktblick September: was der Sammelkartenmarkt gerade macht
Was gerade gesucht wird, welche Sets sich bewegen und was PSA-Verkäufe über die Preisspannen sagen. Der erste Slabhit-Marktblick.
Dies ist der erste Marktblick von Slabhit. Er soll das tun, was solche Texte selten tun: beschreiben, was gerade passiert, und dabei sagen, woher die Zahlen kommen und wie sicher sie sind. Was wir nicht machen, sind Preisprognosen. Wer dir sagt, was eine Karte im Dezember kostet, weiß es nicht.
Der September hat einen Termin, um den sich alles dreht
Am 16. September erscheint das Pokémon-Jubiläumsset 30th Celebration, weltweit am selben Tag. Das ist in der Geschichte des Spiels neu und der Grund, warum dieser Monat auch für Karten außerhalb des Sets Aufmerksamkeit bringt: Wer wegen des Jubiläums wieder hinsieht, sieht auch seine alte Sammlung wieder an. Was in dem Set steckt, steht in Pokémon 30th Celebration.
Zwei Tage davor, am 13. und 14. September, läuft ein großes Pokémon-Turnier in Frankfurt. Der Monat ist damit vorne wie hinten belegt, und die Aufmerksamkeit verteilt sich nicht wie sonst über Wochen, sondern ballt sich.
Was der Sommer gemacht hat
Der Sommer ist bei Sammelkarten traditionell die ruhige Zeit, und 2026 war das nicht anders: Über die Breite gaben die Preise nach. Die Ausnahme waren die teuren Einzelstücke ganz oben, die sich davon wenig beeindrucken ließen. Das ist ein Muster, das sich in fast jeder ruhigen Phase zeigt: Die Mitte des Marktes gibt nach, die Spitze bleibt, weil dort andere Käufer unterwegs sind.
Für dich als Käufer heißt das weniger, als es klingt. Die günstige Phase endet in dem Moment, in dem die Aufmerksamkeit zurückkommt, und das ist bei diesem Septemberkalender absehbar.
Neben Pokémon bewegt sich One Piece am deutlichsten
Im August ist mit The World's Strongest Warriors ein Satz erschienen, der ältere Karten neu bewertbar gemacht hat, weil sich damit anders spielen lässt. Preisberichte aus dem US-Handel vom 19. August 2026 zeigen entsprechend eine Reihe älterer One-Piece-Karten im Anstieg. Das ist der übliche Mechanismus: Nicht das neue Set steigt, sondern die alten Karten, die durch das neue Set wieder gebraucht werden.
Für den September ist der nächste One-Piece-Termin der 18., dann kommt ein Starterdeck. Was das mit den Preisen macht, steht noch nicht fest, und wir tun nicht so, als wüssten wir es.
Grading: der Standort in Europa läuft
Die für europäische Sammler wichtigste Veränderung des Jahres ist nicht ein Set, sondern eine Halle: Seit August wird in Frankfurt geprüft und benotet. Das verkürzt die Wege erheblich und nimmt die Zollabwicklung aus der Rechnung. Wichtig dabei, weil es oft falsch berichtet wird: Der Weg führt derzeit über autorisierte Händler und Sammeleinsendungen, nicht direkt vom Sammler zur Halle. Was das im Einzelnen bedeutet, steht in PSA in Europa.
Der Hintergrund dazu: 2025 war branchenweit ein Rekordjahr beim Benoten, mit über 26 Millionen bewerteten Sammlerstücken. Wenn nun in Europa Kapazität dazukommt, trifft sie auf einen Markt, der ohnehin mehr einsendet als je zuvor.
Was daraus für den Herbst folgt
Drei Beobachtungen, keine Vorhersagen:
- Der September bündelt Aufmerksamkeit stärker als übliche Monate. Wer verkaufen will, hat selten ein besseres Umfeld. Wer kaufen will, hat selten ein schlechteres.
- Bei neuen Karten lohnt Geduld, bei alten Karten mit neuem Nutzen selten. Der Unterschied liegt darin, ob Nachschub kommen kann oder nicht.
- Der Aufwand fürs Benoten in Europa sinkt. Das verschiebt die Rechnung ein Stück in Richtung „lohnt sich", ändert aber nichts daran, dass sie sich bei den meisten Karten nicht lohnt.
Kurz gesagt
Ruhiger Sommer, voller September, und in Europa steht jetzt eine Prüfstelle. Das ist die Lage. Alles Weitere entscheidet sich an den Preisen, die tatsächlich bezahlt werden, und die stehen erst fest, wenn sie bezahlt sind.
Erhebung: 23. August 2026, aus öffentlich zugänglichen Preisberichten des Handels, den Ankündigungen der Hersteller und der Berichterstattung zum Prüfstandort in Frankfurt. Konfidenz mittel: Die Preisaussagen stammen aus Sekundärquellen, nicht aus einer eigenen Auswertung von Verkaufsdaten. Termine können sich verschieben. Wir schreiben diesen Blick monatlich fort und korrigieren offen, was sich als falsch herausstellt.