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Karten reinigen vor dem Grading: was erlaubt ist und was den Wert zerstört

Trocken abstauben ja, alles Feuchte nein: was sich vor dem Einreichen bei PSA gefahrlos entfernen lässt, welche Mittel die Note kosten und wann man es lässt.

Von , Geschäftsführer der The Agentics GmbH

Mehrere Sammelkarten liegen aufgefächert auf einem Holztisch, das Licht zeigt die glänzende Oberfläche.

Die Karte liegt vor dir, sie soll eingeschickt werden, und auf der Oberfläche sitzt ein Fingerabdruck. Der Griff zum Brillentuch ist der naheliegendste Handgriff der Welt, und er ist der Punkt, an dem viele Sammler ihre Karte um eine Note oder um jede Note bringen. Hier steht, wo die Grenze verläuft.

Die Grenze verläuft zwischen Schmutz und Substanz

Ein Prüfdienst unterscheidet nicht zwischen guter und schlechter Absicht. Er sieht nur die Karte und fragt: Ist das der Zustand, in dem sie aus der Packung kam, oder hat jemand nachgeholfen? Loser Staub gehört nicht zur Karte, den darf man abnehmen. Alles, was auf die Oberfläche aufgetragen wird oder ihre Struktur verändert, gilt als Eingriff. Und ein Eingriff ist bei jedem Prüfdienst schlimmer als der Schaden, den er verdecken sollte.

Der Grund dafür ist wirtschaftlich, nicht pedantisch. Eine Note ist nur so viel wert, wie das Vertrauen darin, dass sie einen unveränderten Zustand beschreibt. Wäre Aufpolieren erlaubt, müsste jeder Käufer wieder selbst prüfen, und das ganze Verfahren wäre sinnlos.

Was PSA als Veränderung wertet

PSA schreibt die Fälle, in denen eine Karte keine Note bekommt, in den eigenen Grading Standards auf und vergibt dafür Kennungen. Vier davon treffen genau dieses Thema:

  • N-1, Hinweise auf Beschnitt. Kanten, die zu scharf sind, einen Haken werfen oder im Ton nicht zum Rest passen.
  • N-2, Hinweise auf Restaurierung. Wenn Papier aufgebaut wurde, etwa eine abgestoßene Ecke, die wieder wie neu aussieht.
  • N-5, veränderter Karton. Papierrestaurierung, gepresste Knicke und Falten, entfernte Kratzer, verstärkter Glanz. Ausdrücklich auch dann, wenn eine fremde Substanz auf die Oberfläche aufgebracht wurde, Reinigungsspray und Wachs werden namentlich genannt.
  • N-7, Hinweise auf Reinigung. Wenn ein Bleichmittel die Ränder aufhellt oder eine Lösung Wachs-, Süßigkeiten-, Kaugummi- oder Tabakflecken entfernt.

Eine so gekennzeichnete Karte kann im Ermessen des Prüfers als „Authentic Altered" eingeschweißt werden, wenn auf dem Einreichformular „AA" als niedrigste akzeptierte Note steht. Sie bekommt dann ein Gehäuse und eine Echtheitsbestätigung, aber keine Zahl. Wer auf eine 9 gehofft hat, bekommt ein Etikett, das jedem Käufer sagt: An dieser Karte wurde gearbeitet.

Was du gefahrlos tun kannst

Die erlaubte Liste ist kurz, und das ist Absicht. Alles darauf ist trocken, berührungsarm und reversibel.

  • Losen Staub abnehmen. Ein weicher Blasebalg aus dem Fotobedarf oder ein kurzer Luftstoß aus einiger Entfernung. Kein Anpusten mit dem Mund, dabei landen Speicheltröpfchen auf der Karte.
  • Fusseln von der Hülle nehmen, nicht von der Karte. Die meisten weißen Pünktchen, die man auf einer Karte sieht, sitzen in Wahrheit auf dem Sleeve. Karte herausnehmen, neue Hülle, Problem weg, ohne die Karte je berührt zu haben.
  • Saubere, trockene Hände. Der billigste Schutz überhaupt. Handschuhe sind bei Papierkarten eher hinderlich, weil sie den Griff verschlechtern und die Karte leichter knickt.
  • Nur an den Rändern anfassen. Zwischen Daumen und Zeigefinger an den Schmalseiten, nie flach auf die Bildfläche.

Das ist der ganze erlaubte Werkzeugkasten. Wer mehr braucht, hat entweder eine Karte, die für das Grading nicht taugt, oder ein Problem, das sich nicht wegwischen lässt.

Was du niemals tun solltest

Diese Liste steht in jeder Sammlergruppe im Netz, meist als gut gemeinter Tipp. Jeder einzelne Punkt kann eine Karte in die Kennungen oben befördern:

  • Wasser, Spucke, Fensterreiniger, Alkohol oder Feuchttücher. Papier zieht Flüssigkeit, und die Wellen kommen nicht mehr heraus.
  • Radiergummi oder Melaminschwamm. Beide tragen Material ab, das ist definitionsgemäß eine Veränderung der Oberfläche.
  • Politur, Wachs, Silikonspray oder irgendetwas, das den Glanz „auffrischt".
  • Knicke unter Büchern pressen oder mit Wärme glätten. Gepresste Falten sind der Klassiker unter N-5, Prüfer erkennen sie an der veränderten Faserstruktur.
  • Ränder mit einem weißen Stift oder Bleichmittel nachhelfen.
  • Klebereste mit Lösungsmittel angehen. Wenn sie sich nicht trocken lösen, bleiben sie drauf.

Der Sonderfall Foil

Bei glänzenden Karten ist selbst das Trockene heikel. Die Reflexionsschicht ist weich, und ein Mikrofasertuch mit einem eingeschlossenen Staubkorn zieht feine Kratzer, die man erst unter schräg einfallendem Licht sieht. Genau so wird eine Karte geprüft, mit Licht im flachen Winkel.

Deshalb gilt bei Foils: gar nicht wischen. Ein Fingerabdruck kostet meist weniger Note als das Kratzernetz, das beim Wegwischen entsteht. Wenn überhaupt, dann in einer einzigen Richtung mit einem frischen, nie benutzten Tuch und ohne jeden Druck. Und im Zweifel lieber gar nicht.

Wann du die Karte einfach so einschickst

Es gibt eine einfache Entscheidungsregel, die dir viel Ärger spart. Frag dich, ob der Schmutz auf der Karte liegt oder in ihr steckt.

Liegt er darauf, also loser Staub oder ein Fussel, nimm ihn trocken ab. Steckt er drin, also Fingerabdruckfett, ein Fleck, eine Delle, ein Knick, dann schick die Karte so, wie sie ist. Der Prüfer zieht dafür Punkte ab, und das ist ein ehrliches Ergebnis. Der Versuch, es zu reparieren, kostet dich nicht Punkte, sondern die ganze Note.

Das gilt besonders für alte Karten. Bei Ware aus den Neunzigern oder älter gehören leichte Gebrauchsspuren zum Bild, und der Markt weiß das. Eine 1999er Karte, die verdächtig frisch aussieht, weckt bei Prüfern und Käufern mehr Misstrauen als eine mit ehrlichen Kanten.

Kurz gesagt

Trocken abstauben ist erlaubt, alles andere nicht. Sobald eine Flüssigkeit, ein Mittel oder Druck ins Spiel kommt, riskierst du statt einer schlechteren Note gar keine mehr. Und bevor du überhaupt an dieser Stelle stehst, lohnt die Frage, ob sich das Einschicken für diese Karte rechnet. Die Antwort steht in Grading: Wann sich das Benoten einer Karte lohnt. Wie die Karte danach heil bleibt und heil beim Käufer ankommt, steht in Karten lagern und versenden.