Grading: Wann sich das Benoten einer Karte lohnt
Was Grading kostet, wie lange es dauert und bei welchen Karten sich der Aufwand rechnet. Mit den Punkten, an denen die Rechnung kippt.
Es gibt einen Moment, den fast jeder Sammler kennt: Man zieht eine schöne Karte, sie sieht makellos aus, und der erste Gedanke ist, sie einschicken zu lassen. Bei den meisten Karten ist das keine gute Idee. Hier steht, wann doch.
Was Grading überhaupt bringt
Grading ist die Benotung des Zustands durch einen unabhängigen Prüfdienst. Danach steckt die Karte in einem verschweißten Gehäuse, einem Slab, und die Note steht auf dem Etikett. Sie bringt drei Dinge:
- Der Zustand ist beglaubigt, du musst niemandem glauben.
- Die Echtheit ist mitgeprüft, eine Fälschung kommt nicht durch.
- Die Karte ist geschützt und bleibt in dem Zustand, in dem sie bewertet wurde.
Die Rechnung, die man vorher machen sollte
Auf der Kostenseite stehen mehrere Posten, und die meisten übersehen die Hälfte davon:
- die Gebühr des Prüfdienstes, gestaffelt nach Wert der Karte und nach Bearbeitungszeit
- der Versand hin, versichert, denn eine unversicherte Sendung ist an dieser Stelle Unsinn
- der Rückversand
- gegebenenfalls Einfuhrumsatzsteuer und Zoll, wenn der Dienst nicht in der EU sitzt
- Wartezeit, in der die Karte weder verkauft noch angesehen werden kann
Auf der Ertragsseite steht nur eine Zahl: der Unterschied zwischen dem Preis der losen Karte und dem Preis derselben Karte in der Note, die sie realistisch bekommt. Nicht in der Note, die du dir erhoffst.
Der Punkt, an dem die Rechnung kippt
Drei Bedingungen müssen zusammenkommen. Fehlt eine, lohnt es sich meistens nicht.
Erstens: Die Karte muss gefragt sein. Ein Slab macht aus einer Karte, die niemand sucht, keine Karte, die jemand sucht. Es macht sie nur teurer in der Herstellung.
Zweitens: Der Zustand muss wirklich gut sein. Der große Preissprung liegt oben, meist zwischen den beiden höchsten Noten. Wer eine Karte einschickt, die eine 7 wird, hat die Gebühr bezahlt und kaum etwas gewonnen. Und ehrlich: Fast jeder überschätzt den Zustand seiner eigenen Karten. Zentrierung und Kanten sehen im Wohnzimmerlicht anders aus als unter der Lupe eines Prüfers.
Drittens: Der Abstand zwischen den Noten muss groß genug sein. Bei manchen Karten liegen zwei Noten preislich weit auseinander, bei anderen kaum. Das lässt sich vorher nachsehen, und genau das ist der Schritt, den die meisten überspringen.
Eine einfache Faustregel
Wenn die Gesamtkosten des Gradings mehr als ein Drittel des erwarteten Mehrerlöses ausmachen, lass es. Und wenn du dir bei der zu erwartenden Note nicht sicher bist, rechne mit der nächstniedrigeren. Wer mit der optimistischen Note rechnet, rechnet sich fast immer etwas schön.
Wann es sich unabhängig vom Geld lohnt
Es gibt zwei Fälle, in denen die Rechnung nicht die ganze Antwort ist.
Der eine ist die Karte, die du ohnehin nie verkaufen wirst. Wenn sie dir etwas bedeutet, ist das Gehäuse ein sehr guter Schutz, und der Preis dafür ist der Preis für Sicherheit, nicht für einen späteren Gewinn.
Der andere ist der Verkauf über Distanz. Wenn du regelmäßig teure Karten an Leute verkaufst, die sie vorher nicht in der Hand hatten, spart dir ein beglaubigter Zustand Diskussionen, Rücksendungen und Ärger. In einer Live-Auktion zeigt sich das sofort: Ein Slab wird gekauft, weil die Zahl auf dem Etikett für sich spricht.
Kurz gesagt
Grading lohnt sich, wenn die Karte gefragt ist, der Zustand oben liegt und der Preisunterschied zwischen den Noten groß ist. Bei allem anderen zahlst du Gebühren dafür, dass eine Karte in Plastik steckt. Was ein Slab genau ist und was auf dem Etikett steht, erklärt der Text Was ist ein Slab?.